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Grundlagen der Abiturvorbereitung 

Neue Abiturthemen (Abitur 2023): Mann & Zeh

Abitur 2022: Goethe, Treichel, Hesse, Hoffmann - Lernvideos zu allen Lektüren

Literarische Erörterung eines Textes - Aufbau und Erwartungshorizont

Literarische Erörterung zweier Werke - Erwartungshorizont

Interpretation von Kurzprosa und Reiselyrik 

Kommentar - materialgestütztes Schreiben

Erörterung eines Sachtextes (Lernvideo) 

[...] 

 

Grundlagen der Abiturvorbereitung: 

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Fünf Faktoren für deine Abiturvorbereitung 


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15 NP im Deutsch-Abitur? Aus Satz mach Seite 

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Fünf fiese im Deutsch-Abitur 

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Deutsch-Abi: So bereitest du dich konkret vor


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Tipps von vier Lehrkräften: Diese Aufgabe wählst du im Abitur 2022

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Fachbegriffe für das Deutsch-Abi 


Neue Abiturthemen BW (ab Abitur 2023): 

Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" und Juli Zehs "Corpus Delicti"

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Felix Krull: Was ist ein Hochstapler?

Im ersten Video zu Thomas Manns Roman gehen wir der Frage nach, was Merkmale des Hochstaplers sind. 
Lehrkräfte bestellen unser Unterrichtsmaterial in der Reihe EinFach Deutsch:

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Corpus Delicti - eine Dystopie? 

Im Video zu Zehs Roman klären wir, ob es sich beim Gesundheitssystem der Zukunft um eine Dystopie handelt. Unterrichtsmaterial von uns findet ihr zeitnah auf dem Landesbildungsserver BW, Link folgt hier: 

Abitur 2022: Erörterung eines literarischen Textes (Treichel / Goethe) 

Treichel: Der Verlorene 

Wir stellen euch ein kostenfreies Arbeitsheft zu Treichel bereit. Einfach downloaden und weitersagen, dass es uns gibt! Klick hier unten: 

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Lernvideo: 
Interpretation zentraler Dinge und Motive in Treichels Erzählung "Der Verlorene" 

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Lernvideo: 
Lösung zum Arbeitsblatt "Fehlerfassung einer Inhaltsangabe" plus Schreibauftrag (Ende der Ganzschrift zusammenfassen) 

Abiturthema BW: Erörterung eines literarischen Textes (NEU!) 

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Literarische Erörterung: Aufgabe und Vorgehen erklärt (Lernvideo)

In diesem Lernvideo stelle ich euch die neue Abituraufgabe mit all ihren Tücken und Anforderungen vor. Außerdem gebe ich Tipps zur Vorarbeit. 

Vorarbeit mit System 

Nutze ein strukturiertes Raster, um deinen Text vorzubereiten. Die Erklärung zur Nutzung findest du im Video links. 

Hinweis: Der Außentext darf hier aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht erscheinen. Sie finden ihn unter folgender Quelle: 

Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens, München/Berlin 1967. 

Beispielaufgabe und Erwartungshorizont: 

Erörterung eines lit. Textes 

Aufgabe zur Treichels "Der Verlorene" 

  • Fassen Sie die Kernthesen des Außentextes "Unfähigkeit zu trauern" (1967) zusammen. 
  • Erörtern Sie, inwieweit und in welchen Aspekten  dieser auf die Familie in Treichels "Der Verlorene" übertragbar ist.  

Einleitung / Hinführung zum Thema

(Zentrale Begriffe des Außentextes werden definiert.)

Beim Verlust einer geliebten Person ist Trauer eine natürliche menschliche Gemütsstimmung, die sich durch emotionale Niedergeschlagenheit auszeichnet. Um Trauer zu bewältigen, muss man sich mit dem Schmerz und dem Verlust auseinandersetzen und dem Gefühl der Trauer somit auch den Raum und die Berechtigung einräumen, die es für eine Verarbeitung bedarf. Wer nicht trauert, verdrängt oder ist unfähig zu trauern.   

Erörterung eines literarischen Textes: Erwartungshorizont 


Außentext zusammenfassen

(Basissatz und Zusammenfassung der wichtigsten
Kerngedanken - Quellangabe bei Paraphrase und Zitation) 



In ihrem 1967 veröffentlichten Text „Die Unfähigkeit zu trauern“ stellen die Mitscherlichs die These auf, dass sich die Deutschen nicht hinreichend mit ihrer jüngsten Geschichte, also mit den noch nicht lange zurückliegenden gesellschaftlichen Ereignissen – vermutlich dem Zweiten Weltkrieg –  konfrontiert haben (vgl. Z. 2-4). Aus Sicht der Deutschen meint dies wohl zum einen die Schuld, in die sich der NS-Staat mit der Besetzung anderer Länder sowie dem Genozid an den Juden verstrickt haben. Zum anderen geht es konkret um Erlebnisse wie Tod, Verlust, Flucht oder die Not an existenziellsten Bedürfnissen – es fehlt laut Mitscherlich an der Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen. Darin werde eine „Unfähigkeit zu trauern“ (Z. 1) ersichtlich, die „gesellschaftliche Veränderungen“ (Z. 6) verhindere.

Die Mitscherlichs sehen aber gerade in der inneren Auseinandersetzung und im kritischen Durchdenken des Erlebten, bzw. der Geschehnisse, die Möglichkeit aus dem Vergangenen zu lernen und notwendige Veränderungen einzuleiten, damit begangene Fehler nicht mehr passieren. Ohne diese Auseinandersetzung tendiere der Mensch „instinktiv“ (Z. 11), also automatisch und unbewusst, aus Gründen des Selbstschutzes und der Abwehr dazu, Erlebtes zu vergessen. Weitere Muster seien das Verleugnen oder gar das „Projizieren“ (Z. 12), also das Übertragen der Probleme auf andere. Ohne hinreichende Bewältigung bestehe die Gefahr eines „Wiederholungszwang“ (Z. 5). Auf der persönlichen Ebene sei es für den Einzelnen daher nach dem Psychoanalytiker Freud notwendig, zu „erinnern“, zu „wiederholen“ und „durch[zu]arbeiten“ (Z. 8-9), um richtig zu trauern und die Vergangenheit auf sich beruhen zu lassen. 

(236 Wörter gegenüber 525 Wörter des Außentextes) 

Überleitung zur Erörterungsaufgabe 

(Anwendung des Außentextes auf die 
Ganzschrift in allgemeiner Form; Basissatz und 
relevante Kernthemen der Erzählung benennen.)

Mitscherlichs These, dass es der Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten, Nöten bedarf, um sich davon zu lösen, bzw. um Veränderungen daraus abzuleiten, lässt sich auch im vorliegenden Werk „Der Verlorene“ von Hans-Ulrich Treichel erkennen, der 1998 publiziert wurde. Hier wird von einer Familie erzählt, die traumatische Ereignisse auf der Flucht vor der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs durchleben muss. Das Familienleben ist insbesondere gekennzeichnet durch den Verlust des älteren Bruder Arnolds. Ob die Familie die richtigen Strategien der Bewältigung wählt und inwiefern die im Außentext genannten Thesen auf die Erzählung zutreffen, wird im Folgenden geklärt. 

Erörterung 

(Hauptteil, Auszug) 

(Hinweis: Es wird nur auf den ersten Kernaspekt 
des Außentextes eingegangen (Unfähigkeit zu 
trauern). Exemplarisch soll deutlich werden, 
dass eine differenzierte Abwägung zentraler als 
als das Abarbeiten aller Einzelgedanken.)

Zunächst weisen die Autoren darauf hin, dass in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine Unfähigkeit zu trauern attestierbar sei (vgl. Z. 1). Das lässt sich in unterschiedlicher Art und Weise auf die Familie in Treichels „Der Verlorene“ anwenden. Für die Mutter trifft diese Unfähigkeit nur bedingt zu. Sie trauert bspw. immer wieder, wenn sie die Fotografien ihres verlorenen Sohnes Arnold sieht und an ihn denkt (vgl. S. 8). Weiterhin bricht sie immer wieder in Tränen aus (vgl. S. 10) und konfrontiert sich folglich mit der Trauer. Diese bleibt für sie aber unbewältigbar, da sie es aus der Wiederholung der Gedanken an Arnold heraus nicht schafft, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Das hat Gründe. Sie hegt die berechtigte Hoffnung, den Jungen wiederzuerlangen, da ein Findelkind 2307 der Verlorene sein könnte (vgl. S. 53). Die Unfähigkeit der Mutter, die Trauer zu bewältigen, liegt somit darin begründet, dass sie Arnold nicht sicher endgültig, sondern ggf. nur zwischenzeitlich verloren hat. Da Trauer aber ein Akt des Abschieds ist, kann dieser hier nicht abgeschlossen werden, da die Hoffnung auf ein Wiedersehen besteht. In dieser fatalen Situation bleibt sie zwischen unbewältigbarer Trauer und eigenem Schuldgefühl, den Jungen weggeben zu haben (vgl. S. 16), gefangen. 
Während die Mutter emotional aktiv trauert, trifft die Unfähigkeit auf den Vater eher zu. Er unternimmt mit seiner hohen Gewichtung der Arbeit in seinem Leben und der Verweigerung, Genuss zu erleben, klare Schritte, um der Vergangenheit wenig Raum in seinen Gedanken zu gewähren. Auch seine wortkarge Art, in den einsilbigen Familiensituationen überwiegend „Arbeitsanweisungen“ (S. 27) zu geben, macht klar, dass er sich nicht mit dem Verlust auseinandersetzt. Einschränkend muss aber festgestellt werden, dass er sich des Verlusts aber sehr wohl bewusst ist und die Vergangenheit nicht nur verdrängt. Das erkennt man, als er auch den Ich-Erzähler dazu überredet, an der Versuchsreihe teilzunehmen, die überprüfbar machen soll, ob das Findelkind Arnold ist (vgl. S. 50). Somit hat der Vater einen sehr pragmatischen Umgang mit dem Verlust gefunden, der emotionale Trauer zwar verweigert, aber durchaus versucht, Arnold möglichst verfügbar zu machen. Er agiert selbst hier wie ein Händler. Dass er schlussendlich an einem Herzinfarkt stirbt, verdeutlicht aber, wie wenig diese Aufarbeitungsstrategie glückt. Er stirbt buchstäblich mit einem gebrochenen Herzen oder – um die Autoren des Außentextes zu zitieren – aus Folge einer Unfähigkeit, sich mit der Trauer zu konfrontieren. 
Trotzdem beide Eltern sich in unterschiedlicher Art und Weise mit Arnolds Verlust auseinandersetzen, fällt noch auf, dass beide die Erlebnisse und Gräuel der Flucht vor den Russen recht klar vor Augen haben und dem Ich-Erzähler gegenüber auch davon berichten (vgl. S. 16 und 21). Es fehlt aber beiden offenkundig an der Möglichkeit, diese schrecklichen Erlebnisse miteinander aufzuarbeiten, da die Mutter ihre Trauer emotional in Tränen austrägt und der gefühlskalte Vater seine Defizite totschweigt. Daher lässt sich bezüglich der Fähigkeit zu trauern abschließend resümieren, dass diese bei beiden nicht durch kommunikative Entlastung vollzogen wird und daher nicht bewältigt werden kann, weil sie ein gemeinsames Schreckenserlebnis auf unterschiedliche Art und Weise aufzuarbeiten gedenken.  [...] 

Aufgabe: Fortsetzung

  • Führe den Hauptteil fort, indem du einen weiteren Kernaspekt des Außentextes nennst und dann abwägst, inwiefern er zutrifft. Finde hierfür passende Textbeispiele. 

Von "Diegutestunde" erstellt: Materialien für Lehrkräfte auf dem Landesbildungsserver BW (Erörterung eines literarischen Textes)

Goethes "Faust" - Charakterisierung zweier Hauptfiguren 

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Goethes "Faust" - Charakterisierung der Hauptfigur

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Goethes "Faust" - Charakterisierung des Mephisto 

Faust - Kernaspekte am Text vertiefen: Pakt mit dem Teufel, Gretchenfrage  

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Der Pakt mit dem Teufel in Goethes "Faust"

Schreib während des Videos die Kernaspekte mit. Du erfährst, was Vertragsbestandteile sind und wie es zum Pakt kommen konnte. Eine Aufgabe fordert dich dazu auf, selbst Überlegungen zu Mephistos Interesse am Pakt anzustellen. 

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Die Gretchenfrage - Religion als Gegensatz

Schreib auch während dieses Videos die wichtigsten Inhalte stichpunktartig mit. Wir werden textnah betrachten, wie gegensätzlich Faust und Gretchen ihren Standpunkt vertreten.  

Erörterung zweier literarischer Werke (Hoffmann & Hesse) 

Hermann Hesse: "Der Steppenwolf" - zwei Videos zum Textverständnis 

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Hesses "Steppenwolf" - Interpretation 

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Hesses "Steppenwolf" - Freuds Strukturmodell der menschlichen Psyche

Hoffmanns "goldener Topf" - Erklärvideoreihe 

Sieh dir diese Erklärvideos von links nach rechts an. Schreib mit, um wichtige Inhalte besser zu verinnerlichen. 

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Was ist ein Märchen? Gattungsmerkmale & Geschichte


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Der "goldene Topf" als romantisches Märchen


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Ein Topf, drei Ebenen, fünf Minuten - Erzählebenen im "goldenen Topf" 


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Ein Ende mit Schnaps - Hoffmanns "goldener Topf" und  das goldene Zeitalter 


Aufgabe: Literarische Erörterung zweier Texte 


Außentext:

„Was du bist, hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast.“ - Aldous Huxley, britischer Schriftsteller 


Aufgabe: 

Untersuchen Sie in einer vergleichenden Betrachtung (und ausgehend von diesem Außentext) die Entwicklung der Protagonisten Harry Haller und Anselmus. 

Erwartungshorizont

von Sebastian Arnold 


Der britische Schriftsteller Aldous Huxley weist in seinem Aphorismus darauf hin, dass der Mensch bei der Gestaltung seiner Lebensentwicklung verschiedene Faktoren hat, die auf ihn fremdbestimmend wirken: So seien das „Erbe“ und die „Umgebung“ etwas, was das Individuum ohne dessen Zutun formt. Hierunter lassen sich der Lebensort, das angeborene Temperament, das Elternhaus, der Name, der Wohnort und die Herkunft ebenso subsumieren wie das soziale Umfeld, in dem man sich umgibt. Diese Voraussetzungen lassen sich jedoch durch eine eigene, „freie[] Wahl“ modifizieren. Dem  Menschen sei es möglich, sich innerhalb des fremdbestimmten Spielraums selbstbestimmt zu verwirklichen, wenn er sich seiner eigenen Wahl bemächtigt. Ein Beispiel hierfür ist nicht nur die Gestaltung des eigenen Lebenswegs, der Überzeugungen und des Berufs, sondern auch die Wahl des Partners. Nicht jeder Mensch ist sich aber dieser Entwicklungsbedingungen bewusst, außerdem nutzen nicht alle die ihnen gegebenen Spielräume immer geradlinig. Das trifft auch für die Protagonisten des „goldnen Topf“ und des „Steppenwolf“ zu. [Hinweis Basissatz des Steppenwolfs hier, falls nur „der goldne Topf“ in der Einleitung] 

Erwartungshorizont 

(Auszug eines Hauptteils)

Auszug eines Hauptteils (Werkvergleich aspektorientierter Aufbau)
Anselmus und Harry verändern sich. Beide entwickeln sich im Laufe der Werke, aber keineswegs identisch oder linear. Hierbei sind sie durch verschiedene lenkende Einflussfaktoren wie Hermine oder den Archivarius Lindhorst bestimmt und beide entscheiden sich – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – für Lebensrichtungen, die ihre Entwicklung besiegeln. Diese Entwicklung sowie damit verbundene Einflussfaktoren werden im Folgenden auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede miteinander verglichen. 

[…] 

Zunächst wird betrachtet, unter welchen Bedingungen die Entwicklungen zustande kommen; also, mit welcher Lebenssituation die Protagonisten im Werk beginnen. Anselmus stolpert als begabter Tollpatsch in das romantische Kunstmärchen und wird sogleich verflucht von einem Apfelweib. Sie sagt einen Fall ins Kristall voraus (vgl. S. xx). Der zumindest in der Erzählung elternlos bleibende Student der Stadt Dresden und Visionär des Wunderbaren ist ungeschickt im realen Leben, erweist sich aber als talentierter Schreiber und Mensch mit einer besonderen Imagination, der es vermag, auch in Holunderbüschen wunderbare Dinge zu erblicken (vgl. S. xx). Sein sozialer Stand erweist sich als fragil, aber nicht als ungünstig, da Frauen wie Veronika ihm zugeneigt sind und er seine geringe Ordentlichkeit und Zielstrebigkeit im Berufsleben hiermit geschickt kaschieren kann. So schlägt auch der bodenständige und philiströse Konrektor ihm keineswegs ein gewisses Talent und Karrierefähigkeit aus (vgl. S. xx). 

Im Unterschied zu Anselmus partizipiert der so genannte Steppenwolf keineswegs am sozialen Leben, doch übt auch er eine gewisse Anziehung auf Menschen aus. Das kann man an der Reaktion des Erzählers erkennen, der gleichsam angezogen und abgestoßen von Harry ist (vgl. S. xx). Als Einsiedler meidet Haller jegliche soziale Kontakte bewusst. Er wohnt zur Untermiete, hat ähnlich wie Anselmus eine geisteswissenschaftliche Schreibbegabung, ist aber eher im Bereich seriöser Sachtexte als freier Autor tätig. Eine Anstellung, wie Anselmus sie sucht, meidet der Steppenwolf – offenkundig mangelt es ihm nicht an Geld. 

Wenig vergleichbar ist ihr Ausgangspunkt im Werk, insofern als Harry zu Beginn bereits 50 Jahre alt ist, wohingegen Anselmus seine Lebensrichtung als Student noch sucht. 

Was beide Protagonisten dennoch verbindet, ist eine tiefe Spaltung ihres Innern, die als eine Art zentraler Handlungsmotor der Werke fungiert und eine Entwicklung gewissermaßen notwendig macht. Harry Haller bezeichnet sich selbst als Steppenwolf. Diese Metapher meint eine Trennung in eine wölfische, vom Trieb gesteuerte Einsiedlerseite und eine Menschenseite, die vom Verstand her reflektiert. Im Traktat wird Harry jedoch belehrt, dass diese Zweiteilung zu kurz greift und fast selbstgefällig sei, denn seine Aufgabe wird sein, eine größere Vielzahl innerer Figuren zu einer Persönlichkeitseinheit zu formen. 

Dahingegen erlebt Anselmus eher eine Trennung in zwei weltliche Sphären, die eine unterschiedliche Wahrnehmung von Welt mit sich ziehen. So gibt es die scheinbar reale Welt, die alle Figuren wahrnehmen, in der Anselmus mit bürgerlichen Erwartungen wie Karriere und Geld konfrontiert wird, die Harry bspw. niemals als gültig annehmen würde. Weiterhin nimmt Anselmus eine phantastische Welt wahr. Diese Visionen müssen aber durch „Glauben und Liebe“ (S. xx) bewahrheitet werden. 

Während es bei Haller darum geht, die einzelnen Figuren des Inneren zu einer positiven Einheit zu formen, ist es für Anselmus vielmehr so, dass die reale Welt in einer Art „Himmelsleiter“ überwunden werden soll, ohne dabei dem Wahnsinn zu verfallen. So beschreibt E.T.A. Hoffmann sein Märchenprinzip im Erzählband die „Serapionsbrüder“ wenige Jahre später. 1819 meint er, man solle sich von der Realität aus in die Sphäre des Wunderbaren begeben, indem man an sie glaube. In seinem komödiantischen Verwirrspiel „Prinzessin Brambilla“ leidet der Protagonist gar an „chronischem Dualismus“, einer Krankheit, die man auch Anselmus zu Beginn der Erzählung attestieren könnte, da er ständig zwischen Vision und Realität hin- und hergerissen ist – ähnlich wie Harry, der zwischen der Lektüre seiner Unsterblichen – bspw. Goethe – einsam durch die Stadt flaniert. [...] 

Interpretation: Kurzprosa & Reiselyrik (Abitur 2022) 

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Grundlagen der Interpretation von Texten 

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Was ist Interpretation?


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Schreiben einer Interpretation (Hauptteil)


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Schreibens des Fazits 


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Eiskalte Übung: 

Eine Kurzgeschichte lesen und interpretieren 

Lies die Kurzgeschichte "Eis" (Button unten). Sieh dir nun das Erklärvideo (rechts) an und folge den darin beschriebenen Tipps. 
Anschließend kannst du zum Abgleich den ausformulierten Erwartungshorizont sichten, der unterhalb zu finden ist. Solche Musterlösungen veranschaulichen dir den Aufbau der Deutung.  

Kurzprosa-Interpretation: Erklärvideos zur Unterstützung 

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Der Hauptteil deiner schriftlichen Interpretation

In diesem Video gebe ich dir ein paar hilfreiche Tipps für die schriftliche Interpretation. 

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Merkmale einer Kurzgeschichte (Erklärvideo) 

In diesem Lernvideo werden Merkmale der Kurzgeschichte zusammengefasst. Diese sind wichtig für das Verstehen. 

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Deine Methode, wenn du Texte liest. 

Mit der Fünf-Gang-Lesemethode stelle ich dir eine gute Möglichkeit vor, wie du beim Lesen und der Vorarbeit mit System vorgehen kannst. 

Erwartungshorizont: Kurzprosa-Interpretation

Basissatz und Inhaltsangabe

In Helga Novaks 1968 veröffentlichten Kurzgeschichte „Eis“ werden am Verhalten eines jungen Mannes die Folgen zwischenmenschlicher Isolation in einer von Desinteresse geprägten Gesellschaft deutlich.  

 

Zu Beginn der Kurzgeschichte trifft ein junger Mann in einer Parkanlage auf einen wohlsituierten Zeitungsleser, vor dem er sein Eis fallen lässt. Anhand des scheinbar zufälligen Vorfalls entbrennt eine Kette von aufdringlichen Fragen. Im Kern befürchtet der Fragende, er werde für einen Versager gehalten. Den Aufmerksamkeitsdrang des Jüngeren weist der Ältere zunächst höflich zurück, da er seine Ruhe möchte. Im Laufe der Konversation verliert der Herr ob teilweise provokativer Fragen und Aussprüche nicht nur die Hoffnung auf die ersehnte Ruhe, sondern auch die Fassung. Er moniert vor dem Gehen die mangelnde Erziehung des Jüngeren, der ihm daraufhin sogar Recht gibt und mit Einblicken in sein problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis aufwartet. Schlussendlich wird angedeutet, dass der Sohn der Mutter eine Substanz in den Tee gemacht hat. 

Analyse 

Typisch für Kurzgeschichten beginnt die Geschichte „medias in res“ und endet abrupt. Sie wirkt dadurch unvermittelt und unmittelbarer. Gattungsentsprechend sind auch der alltägliche Schauplatz und die namenlosen Figuren, die für jedermann stehen können. 

Helga Novaks Kurzgeschichte wird von einer neutralen Erzählperspektive bestimmt, in der die heterodiegetische Erzählerfigur vollständig in den Hintergrund tritt und die überwiegend dialogisch geführte Rede unkommentiert und ohne jede Wertung darstellt. Dies bedingt den ausgesprochen sachlichen Charakter. Es wird durchweg nur die Außensicht der Figuren gezeigt, in deren Inneres man keinen Einblick bekommt. Kombiniert mit den monotonen, parataktischen Sätzen evoziert die Kurzgeschichte Härte, Emotionslosigkeit und fehlende Empathie. Weiterhin spiegelt sich die lakonische Sprache im Thema der Geschichte wieder. Ein Mann leidet an seiner Isolation und agiert provokant gegen die ihm entgegengebrachte Gleichgültigkeit. Dazu passt der selbstreferenzielle Titel „Eis“, der Gefühlskälte geradezu programmatisch hervorhebt. 

Interpretation und Fazit 

Der junge Protagonist drängt in Novaks Kurzgeschichte ständig auf eine Reaktion seines Gegenübers, daher wird die Frage „Was denken Sie jetzt?“ (Z. 32)  in der Kurzgeschichte mehrfach wiederholt. Sie bildet weiterhin das Ende der Geschichte, was nochmals auf die Bedeutung hinweist. An seiner Isolation leidend, wünscht sich sich der Mann zwischenmenschlichen Kontakt. Sein Verhalten wirkt dabei getrieben und nimmt fast pathologische Züge an. Dies lässt sich zuvorderst an der Körpersprache erkennen: „Heftig“ (Z. 2) lutscht er an seinem Eis, im Folgenden tritt er nervös von Fuß zu Fuß (vgl. Z. 16), eine Reaktion des Herrn abwartend. 

Der Text lässt den Rückschluss zu, dass der junge Mann bereits erwachsen ist, denn er wird vom Herrn gesiezt. (vgl. Z. 14) Ob er von Zuhause ausgezogen ist, da er von seinem gemeinsamen Wohnen mit der Mutter durchweg im Präteritum spricht (vgl. Z. 23f.), bleibt offen. Es liegt nahe, dass diese verstorben ist, da er ebenfalls in der Vergangenheitsform betont, seine „Mutter war ja viel zu weich.“ (ebd.)  Zurecht kommt der junge Erwachsene mit seiner Freiheit nicht: Er hebt zwar inständig hervor, „er mache, was er wolle“ (Z. 16f.), doch zeigt sein teils nervöses, teils aggressives Verhalten, dass ihn sein Leben keineswegs befriedigt. Wie dringlich er auf eine Aussprache mit dem ihm unbekannten Herrn angewiesen ist, lässt sich daran erkennen, dass er befriedet lächelt, als er dessen Gedanken erfährt, selbst wenn der Herr ihm nur erläutert, man hätte ihn öfters verprügeln sollen. (vgl. Z. 21) 

 

Der unbedingte Wunsch, von dem Herren wahrgenommen zu werden, scheint aus der Angst geboren zu sein, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Bezeichnet ist, dass die Vorwürfe, die der junge Mann vom Herrn zu Unrecht erwartet, den gängigen gesellschaftlichen Stereotypen des Versagers entsprechen: vom „Trottel“ (Z. 8) über den „Duckmäuser“ (Z. 19) hin zum „Habenichts“ ( Z. 12) sind Typen benannt, die in einer leistungsorientierten Welt als Verlierer klassifiziert werden. Offenkundig wird daran eine Verfehlung der mütterlichen Erziehung, die ihrem Sohn lediglich Plattitüden auf den Weg mitgegeben, ihm keine positive Entfaltungsmöglichkeit aufgezeigt und ihm nur Versagensängste eingebläut hat:  „[W]enn Du nicht lernst, dich durchzusetzen, weiß ich nicht, was aus dir werden soll.“ (Z. 29), habe sie ihrem Sohn mitgeteilt. Die Mutter habe ihm außerdem den Rat erteilt, er solle sich in seiner „Haut wehren“ und nicht alles „gefallen lassen“ (Z. 26) Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass dies aus der Sicht des Sohns wiedergegebene Rede ist, die zudem vom neutralen Erzähler weder gewertet noch kommentiert wird. Ob die Erinnerung an die Mutter wahrheitsgemäß ist, bleibt dergestalt offen. Die Ohnmacht des jungen Mannes gegenüber der zu „weich[en]“ (Z. 24) Mutter schlägt jedenfalls in Provokation um, die den unbefriedigten Liebeswunsch des damaligen Kindes verrät. Der Berufswunsch „Neger“ (Z. 30) zeigt kein ernsthaftes Ansinnen, sondern dass der Protagonist sich einerseits versucht gegen seine Mutter aufzulehnen und andererseits, dass er sich eine unmittelbare und emotionale Reaktion von ihr wünscht. Ob er aus dieser wohl dauerhaften Kränkung heraus die eigene Mutter umbringt, bleibt unklar. Das Ende der Kurzgeschichte legt diese Deutung im ersten Moment nahe, weil die Hauptfigur vorgibt, „ihr was in den Tee getan“ (Z. 31f.) zu haben und da er von seiner Erzeugerin im Präteritum spricht. Gleichzeitig muss aber berücksichtigt werden, dass die Hauptfigur in eben diesem Moment in der erzählten Welt gerade den Herrn in ein Gespräch verwickeln will und erst, als dieser sich losmacht, hinterherruft, er habe ihr „was in den Tee getan (Z. 31f.). Somit bleibt offen, inwiefern der Ausruf nur der letzte, verzweifelte Versuch ist, Kontakt aufzubauen oder der junge Mann sich eben aussprechen muss, weil er die Mutter auf dem Gewissen hat. Eben diese offen Fragen sind intendiert und an den Leser gerichtet, da die Kurzgeschichte mit der Frage „Was denken Sie jetzt?“ beschließt. Es ist nicht der Herr, sondern der Leser, der in seiner Vagheit gegenüber einer verbindlichen Antwort angesprochen wird, den Text erneut zu lesen oder sich zu fragen, ob er selbst wie die Mutter agiert, wenn er sein Desinteresse über den Jungen voreilig darin Ausdruck verleiht, diesen als Mörder oder Psychopathen hinzustellen. Eben diese Etiketten sind deswegen nicht nur Teil der mütterlichen Erziehung, sondern vielmehr aus einem gesellschaftlichen Erwartungskatalog adaptiert.

Eine genauere Lesart zeigt außerdem, dass der Herr eine ebenfalls problematische Gestalt in der Geschichte ist. Er steht mit seiner Zeitung für den wohl situierten, angepassten Bürger, der Freizeit im öffentlichen Alltagsgeschehen wahrnimmt. Nicht zwingend muss er als Opfer der Situation gesehen werden, verweist sein in den Mantel der Höflichkeit gekleidetes Desinteresse auf eine Gesellschaft, die keinerlei Anteilnahme kennt. Sobald die Situation emotionale Dringlichkeit erfährt, behilft sich der Mann mit Floskeln oder verweist schlussendlich zornig auf die mangelnde Erziehung des Jungen anstatt mit diesem zu sprechen. (vgl. Z. 20) Er sieht sich nicht zuständig für die Probleme des jungen Mannes, was in gewisser Weise verständlich, aber nicht unproblematisch ist. Darauf verweist besonders der Titel der Erzählung, der nicht nur auf das Eis als Handlungselement hindeutet, sondern auf eben die fehlende Empathie des Herrn. 

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass alle Figuren durch Fehlverhalten gekennzeichnet werden. Darin wird eine besondere Tragik deutlich: Der junge Mann versucht durch Provokationen und aufdringliche Fragerei seinem Gesprächsbedarf Abhilfe zu schaffen, während die Mutter den im Kern ehrenwerten Anspruch hatte, dass ihr Sohn nicht versagen soll. Der Herr ist auf Einhaltung gesellschaftlicher Ordnung bemüht und dergestalt nicht nur kalt, sondern schlichtweg überfordert mit der Situation. Seine Flucht löst das Problem nicht, sondern verlagert es. 

Wie in ihrer Kurzgeschichte „Schlittenfahren“ hat Novak es mit einfachsten sprachlichen Mitteln und einer auf das Minimum reduzierten Erzählwelt geschafft, ein komplexes zwischenmenschliches Dilemma aufzuzeigen, welches der realen Welt inhärent ist: Wie soll es in einer leistungsorientierten und pluralistischen Gesellschaft heute möglich sein, zwischen verschiedenen persönlichen Schicksalen zu vermitteln? Ist Nächstenliebe nur eine religiöse Illusion? Denn in der Geschichte bleibt die Frage offen, ob sich der Einzelne überhaupt für das Schicksal eines Fremden zuständig sehen will und kann, inwiefern er sich emotional involviert und letztlich ob er preisgibt, was er wirklich denkt.  

Abiturthema: Reiselyrik  - Lyrik verstehen, Gedichtvergleich richtig aufbauen 

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Lyrik verstehen 

Das Abiturthema "Reiselyrik" erfordert nicht nur Kenntnisse um historische Entwicklungen von Mobilität, sondern  in allererster Linie, dass du einen Zugang zu Gedichten findest. Diese sind aufgrund ihrer eigenwilligen Form schwierig zu erschließen. In diesem Video erläutere ich dir, wie du dieser Form Herr wirst und welche Deutungszugänge sich besonders gut für dich eignen. Außerdem warne ich vor beliebten Fehlern, die es zu vermeiden gilt. 
Lies zuvor das Gedicht von Fontane, das hier über den Button angezeigt wird, damit du die Ausführungen gut nachvollziehen kannst: 

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Einen Gedichtvergleich richtig aufbauen

In Abgleich mit dem ausformulierten Erwartungshorizont (Scroll hierfür nach unten!) findest du hier Hinweise zum Aufbau deines Gedichtvergleichs. Achte darauf, dass du die Aufbauformen selbst schriftlich üben musst. Rezepte helfen sicher, aber kochen muss man dennoch, um satt zu werden. 

Erwartungshorizont: Gedichtvergleich 

Gedicht 1: Tieck: Lied vom Reisen (1798)  
Gedicht 2: Grünbein: Kosmopolit (1990) 

  • Auftrag: Bilden Sie Sinnabschnitte, um den Aufbau dieses Erwartungshorizonts zu untersuchen. 

Der Begriff „Reise“ bezeichnet im Unterschied zur bloßen Bewegung einen menschlichen Erlebnisvorgang, der historisch mit unterschiedlichen Erfahrungen, Zielen und Versprechen verbunden wurde: Von der mittelalterlichen Pilger- über die aufklärerische Bildungsreise hin zur neuzeitlichen Erholungsreise haben Menschen mit Reisen immer wieder spezifische Ziele verfolgt. Da das Reisen eine Grundkonstante des menschlichen Seins markiert, setzen sich auch Schriftsteller mit den fernliegenden Horizonten auseinander, die die eigene Heimat überschreiten. Hierbei wurden im Laufe der Literaturgeschichte unterschiedliche Wertungen und Bedeutungen des Reisens deutlich, die sich auch in den vorliegenden Gedichten von Tieck und Grünbein widerspiegeln. Während "Kosmopolit" (1990) dem 20. Jahrhundert entstammt und die mobile Verfügbarkeit aller Orte im Flugzeug als eine Art von irritierendem und ganzheitlichem Weltverlust beschreibt, wird in Tiecks romantischem "Lied vom Reisen" aus dem Jahre 1798 der Leser noch bodenständig zu einem ebenso lust- wie schmerzvollen Fußmarsch aus der Heimat motiviert.

 

Bevor die beiden Gedichte verglichen werden, wird zunächst Tiecks „Lied vom Reisen“ interpretiert. 

 

Der Hinweis im Titel, dass es sich um ein Lied handelt, zeigt bereits den Wunsch nach Volksnähe, den Lieder traditionell innehaben. Bewusst wird ein einfacher und verständlicher Ton angeschlagen, der für jedermann zugänglich ist. Tiecks Gedicht beginnt mit einem vierhebigen Trochäus (V. 1 und V. 6, erste Strophe), der den einfachen Liedton verstärkt und sich auch in der einfachen Ansprache (V.1, „du“) und Wortwahl (V. 17, „Nimmer ohne Ach! und O!“) des Gedichts manifestiert. Das Lied soll also auch insofern zugänglich sein, als kein bildungssprachlicher Ton angeschlagen wird. Das Reimschema ist ausgesprochen unregelmäßig. Die zweite Strophe enthält einfache Paarreime, in der ersten Strophe bilden der erste und sechste Vers einen umarmenden Reim, was sich in der Bedeutung wiederspiegelt, wie im Folgenden zu sehen sein wird:

In Ludwig Tiecks Gedicht wird der Leser zur Reise animiert und direkt angesprochen. Bereits der erste Vers stellt die Möglichkeit zum Aufbruch in persönlicher Anrede (V. 1: „du“) vor und suggeriert somit besondere Unmittelbarkeit für den Leser, der sich angesprochen fühlt. Als Bedingung für das Reisen wird „Gesundheit“ (V. 6) genannt, wobei diese verdinglicht wird, als könne man sie wie einen Gegenstand mitnehmen. Auch dies verdeutlicht den bewusst simplen, lyrischen Ton. 

Auffällig ist auch die Verknüpfung  von Vers 2 bis 5 durch ein Enjambement. Hier wird dem Leser sozusagen wörtlich die Ausbreitung der eigenen Erfahrung vom heimischen „Feld“ hin zur „Welt“ über die Versverläufe klargemacht. Tieck simuliert sprachlich den bewegten Reisezustand, indem er die ineinander überlaufenden Verse analog zum beschriebenen Reiseraum ausbreitet.  

Das Besondere an dem Gedicht ist aber, dass es kein direktes Reiseerleben beschreibt, sondern vielmehr eine Anleitung zum Reisen darstellt. Ein nicht im Gedicht genanntes lyrisches Ich erscheint implizit als erfahrener Reisender, der dem Leser Ratschläge für dessen eigene Reise geben soll, als handle es sich um eine Art Gespräch von Alt und Jung. Die Aussagesätze und die Unumständlichkeit der Sprache zeugen von der einfachen Gewissheit, dass die Reise mit Sicherheit so laufen wird, wie im Lied beschrieben. Jede Strophe bildet – für sich genommen – einen Aussagesatz. Das heißt auch: An den im Gedicht vorgetragenen Weisheiten über das Reisen besteht offenkundig kein Zweifel, der Nebensätze, Einschränkungen oder Fragen motivieren würde. 

 

Sind in der ersten Strophe noch die Voraussetzungen für die Reise thematisiert worden, so geht es in der zweiten nunmehr um den nächsten Schritt; nämlich den Abschied, der in der Frühe geschehen soll (vgl. V. 9). Auch hier ist wichtig, dass es kein tatsächlicher Abschied des lyrischen Ichs ist, sondern es vielmehr den möglichen Abschied des Lesers vorstellt, wie dieser sein könnte. Dieser Aufbruch erscheint mit negativ konnotierten Begriffen wie „weint“ (V. 11) und „die Freud nicht wiederfinden“ (V. 12) zwar offensichtlich traurig, doch als Voraussetzung, um „Neue Freunde aufzufinden“ (V. 7). Dieses wechselseitige Bedingtsein von Freude und Leid wird in Strophe drei dann näher exemplifiziert und sogar als Grundcharakter des ganzen „Leben[s]“ (V. 16) ersichtlich. Der Appell, man solle die Zurückgebliebenen nur weinen lassen (vgl. V. 15), erscheint somit wiederum als notwendig, um des „Wiedersehens Freuden“ (V. 21) überhaupt erleben zu können. Somit erscheint Reisen in diesem romantischen Gedicht in einem klassisch dualistischen Verhältnis, da Aufbruch Trauer und Wiedersehen Freude bedingt. Wer nicht reist, könnte man im Sinne des Lieds sagen, dem bleibt zwar echte Trauer in der „bieder[en]“ (V. 18) Heimat verwehrt, der erlebt aber auch keine Freude. Diese Weisheit wird verallgemeinert: Das Asyndeton („Eltern, Schwester, Bruder, Freund“) in Vers 13 zeigt, dass Abschied und Wiedersehen als Grundbedingungen des Reisens für jedermann gelten. Die Personifikation der Heimat macht diese in ihrer vermeintlichen Treue besonders greifbar (vgl. V. 18), wie es bereits mit der Gesundheit in Strophe 1 der Fall war. 

 

Das Gedicht ist insofern auch typisch für die Epoche der Romantik, als das Reisen in dieser Zeit einen besonderen Stellenwert hat. Als Schwellenerfahrung ist der sich bildende Geist nur dann progressiv, wenn er nicht in der philiströsen, kleinbürgerlichen Heimat verweilt. Wer reist, bildet sich – eine Vorstellung, die durch Goethe maßgeblich vorbereitet und durch die Romantik mit einer besonderen Natur- und Imaginationsliebe weitergeführt wurde. Diesem Anspruch entspricht Tieck, der in der Literaturgeschichte als „König der Romantik“ gekennzeichnet wurde, mit einem frühromantischen Gedicht, das 1798 sozusagen der literarischen Grundsteinlegung der Epoche entstammt. 

Tieck hat mit seinem Gedicht somit eine zweifelsfreie Anleitung für das Reisen als richtige Lebensform geschaffen, die schlussendlich in wahre Freude und Wiedersehen mündet. Von dergleichen Vorstellungen ist knapp 200 Jahre später nicht viel geblieben. Durs Grünbein schreibt das Gedicht „Kosmopolit“ im Jahr 1990 und damit in einer Zeit, in der die Verfügbarkeit von Welt durch mobile Verkehrsmittel wie das Flugzeug ungemein hoch ist. Diese Transportmittel bedingen andere Reiseerfahrungen als noch mit Kutsche und Fuß. Sie führen aber nicht nur zu einer praktischen Erreichbarkeit und Beschleunigung, sondern zu einem regelrechten Verlust an Erfahrung, so das Gedicht. Daraus geht bereits hervor, dass die Gedichte eine ähnliche Thematik auf sehr unterschiedliche Art und Weise behandeln. 

 

In Grünbeins Gedicht schildert das lyrische Ich die grausame Reisepraktik des Fliegens mit Bildern des Eingesperrtseins (V. 3, „eingesperrt“) und des stationären Krankenhausaufenthalts (V. 14 „Krankenzimmer“), um die eigene Wirkungslosigkeit des Menschen als Reisender zu verdeutlichen. War in Tiecks Gedicht der Mensch nur durch Reise zu Freude befähigt, so bringt hier umgekehrt die Reise einen „Vorgeschmack auf die Hölle“ (V. 17). Hatte Tieck mit dem einfachen Liedton eine passende Form für seinen affirmativen Inhalt gefunden, so geht Grünbein ebenso konsequent mit der literarischen Form um: Der freie Rhythmus und das Fehlen eines Reimschemas entsprechen auf inhaltlicher Ebene dem Fehlen eines Sinns und einer echten Rast. 

Erreicht der Reisende bei Tieck noch in Schritten über ein „Feld“ nach und nach die „Welt“ (V. 2-4), scheint dem Flugreisenden bei Grünbein die „Wüste[]“ wie das „Meer“ (V. 4-5). Der gleichmacherische Zustand des Reisens wird weiterhin als eine „Narkose“ (V. 7) ersichtlich. Hatte der Reisende bei Tieck eine klare Richtung und eindeutige Emotionen sicher, scheint dem lyrischen Ich in "Kosmopolit" dazu ein Zustand der Irritation und des Betäubtseins gegeben, aus dem er sich nicht befreien kann. Das bildet einen maßgeblichen Unterschied. Offensichtlich korrespondiert dieser mit dem Fehlen eigener körperlicher Bewegung im Flugzeug. Dem entgegen war man zu Zeiten Tiecks wohl eher als Wanderer zu Fuß unterwegs. 

In Tiecks Gedicht sprechen die Menschen noch ein klares „Ach! und O!“, Weinen wird als Reaktion auf Reise sichtbar. Bei Grünbein scheinen die Menschen voneinander entfremdet und nicht klar identifizierbar: „Das genaue Wort verliert seinen Ort.“ (V. 10) Diese Metonymie, die den Menschen durch ein ortloses Wort ersetzt, lässt an Flughallen denken, in der Massen lärmreich aneinander vorbeiströmen. Auch den „Augen“, denen die „Ruhe“ (V. 9) fehle, zeigt mangelnde Konkretion in der Wahrnehmung. Der neuzeitlich Reisende erkennt nichts Bekanntes, alles um ihn herum irrt davon, ohne greifbar zu werden. 
Der Reisende verliert den Bezug zu Mensch, Ort und „Zeit“ (V. 9), somit weicht der romantische Ratschlag bei Grünbein einer rein ernüchternden Feststellung, in der Reise einen "Vorgeschmack auf die Hölle" (letzter Vers).  

[…] 

Abiturthema: Kommentar - materialgestütztes Schreiben

Hier finden Sie ein Materialmodul, das wir für den Landesbildungsserver BW erstellt haben. Einfach auf den Button klicken: 

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Einführung der Schreibform: Was ist ein Kommentar? 

In diesem Video des Landesbildungsservers BW erklären wir Ihnen, was die Schreibform meint und von Ihnen verlangt. 

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Material auswerten, Position beziehen (Video)

In diesem Video erfährst du, wie du richtig Position beziehst. Hierbei helfen dir ein paar einfache, sprachliche Tricks im Umgang mit dem Material  

Hinweise zum Aufbau einer Sachtextanalyse/-Erörterung 

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Weiterführende Links: 

Erwartungshorizont Werkvergleich

E.T.A. Hoffmann: Erzählprinzip im goldnen Topf 

Material zu Hesses "Der Steppenwolf"