Deine Abiturvorbereitung 2021 

Euer Abitur will gut vorbereitet sein. Diese Seite unterstützt euch durch Erklärvideos, Aufgaben und Erwartungshorizonte bei der Wiederholung der wesentlichen Lektüren und Schreibformen. Auch zur Auswahl der richtigen Themen versuchen wir beizutragen.  Schreiben lernt man aber nur durch Schreiben. Lass den Input also nicht nur auf euch einprasseln, sondern übt. 

WICHTIGER HINWEIS: DIE ABITURTHEMEN ÄNDERN SICH... DAHER STEHEN NOCH EINIGE ÄNDERUNGEN IN DEN UNTENSTEHENDEN RUBRIKEN AN !  

Allgemeines zur Abiturvorbereitung: 

Abitur 2021: Die ganze Video-Playlist für Schülerinnen und Schüler (26 Videos)

Fünf Faktoren für deine Abiturvorbereitung 


Fünf fiese im Deutsch-Abitur 

So schreibt es sich - Abiturformate wiederholen: 

Kontextuierung schreiben

Werkvergleich aufbauen 

Hinweise zur Sachtextanalyse/-Erörterung 

Werk im Kontext: Videos zu den Lektüren 

Goethes "Faust" - Charakterisierung der Hauptfigur

Goethes "Faust" - Charakterisierung des Mephisto 

Hesses "Steppenwolf" - Interpretation 

Hesses "Steppenwolf" - Freuds Strukturmodell der menschlichen Psyche

Hoffmanns "goldener Topf" - Erklärvideoreihe 

Sieh dir diese Erklärvideos von links nach rechts an. Schreib mit, um wichtige Inhalte besser zu verinnerlichen. 

Was ist ein Märchen? Gattungsmerkmale & Geschichte


Der "goldene Topf" als romantisches Märchen


Ein Topf, drei Ebenen, fünf Minuten - Erzählebenen im "goldenen Topf" 


Ein Ende mit Schnaps - Hoffmanns "goldener Topf" und  das goldene Zeitalter 


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Werk im Kontext: Wer sie wirklich sind! 

Grundlagenvideo zur Identität 
der drei männlichen Protagonisten

Übungsaufgabe: Werk im Kontext plus Erwartungshorizont

Die unten stehende Aufgabe kannst du zu Übungszwecken erst bearbeiten 
und anschließend mit dem Erwartungshorizont vergleichen. 


Aufgabe: Werk im Kontext


Beispielaufgabe: Werk im Kontext
„Was du bist, hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast.“ - Aldous Huxley, britischer Schriftsteller 


Untersuchen Sie in einer vergleichenden Betrachtung (und ausgehend von diesem Außentext) die Entwicklung der Protagonisten Harry Haller und Anselmus. 

Erwartungshorizont

von Sebastian Arnold 

(Einleitung) 

Erwartungshorizont (Einleitung zum Werkvergleich und Begriffsklärung)
Der britische Schriftsteller Aldous Huxley weist in seinem Aphorismus darauf hin, dass der Mensch bei der Gestaltung seiner Lebensentwicklung verschiedene Faktoren hat, die auf ihn fremdbestimmend wirken: So seien das „Erbe“ und die „Umgebung“ etwas, was das Individuum ohne dessen Zutun formt. Hierunter lassen sich der Lebensort, das angeborene Temperament, das Elternhaus, der Name, der Wohnort und die Herkunft ebenso subsumieren wie das soziale Umfeld, in dem man sich umgibt. Diese Voraussetzungen lassen sich jedoch durch eine eigene, „freie[] Wahl“ modifizieren. Dem  Menschen sei es möglich, sich innerhalb des fremdbestimmten Spielraums selbstbestimmt zu verwirklichen, wenn er sich seiner eigenen Wahl bemächtigt. Ein Beispiel hierfür ist nicht nur die Gestaltung des eigenen Lebenswegs, der Überzeugungen und des Berufs, sondern auch die Wahl des Partners. Nicht jeder Mensch ist sich aber dieser Entwicklungsbedingungen bewusst, außerdem nutzen nicht alle die ihnen gegebenen Spielräume immer geradlinig. Das trifft auch für die Protagonisten des „goldnen Topf“ und des „Steppenwolf“ zu. [Hinweis Basissatz des Steppenwolfs hier, falls nur „der goldne Topf“ in der Einleitung] 

Erwartungshorizont 

(Auszug eines Hauptteils)

Auszug eines Hauptteils (Werkvergleich aspektorientierter Aufbau)
Anselmus und Harry verändern sich. Beide entwickeln sich im Laufe der Werke, aber keineswegs identisch oder linear. Hierbei sind sie durch verschiedene lenkende Einflussfaktoren wie Hermine oder den Archivarius Lindhorst bestimmt und beide entscheiden sich – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – für Lebensrichtungen, die ihre Entwicklung besiegeln. Diese Entwicklung sowie damit verbundene Einflussfaktoren werden im Folgenden auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede miteinander verglichen. 

[…] 

Zunächst wird betrachtet, unter welchen Bedingungen die Entwicklungen zustande kommen; also, mit welcher Lebenssituation die Protagonisten im Werk beginnen. Anselmus stolpert als begabter Tollpatsch in das romantische Kunstmärchen und wird sogleich verflucht von einem Apfelweib. Sie sagt einen Fall ins Kristall voraus (vgl. S. xx). Der zumindest in der Erzählung elternlos bleibende Student der Stadt Dresden und Visionär des Wunderbaren ist ungeschickt im realen Leben, erweist sich aber als talentierter Schreiber und Mensch mit einer besonderen Imagination, der es vermag, auch in Holunderbüschen wunderbare Dinge zu erblicken (vgl. S. xx). Sein sozialer Stand erweist sich als fragil, aber nicht als ungünstig, da Frauen wie Veronika ihm zugeneigt sind und er seine geringe Ordentlichkeit und Zielstrebigkeit im Berufsleben hiermit geschickt kaschieren kann. So schlägt auch der bodenständige und philiströse Konrektor ihm keineswegs ein gewisses Talent und Karrierefähigkeit aus (vgl. S. xx). 

Im Unterschied zu Anselmus partizipiert der so genannte Steppenwolf keineswegs am sozialen Leben, doch übt auch er eine gewisse Anziehung auf Menschen aus. Das kann man an der Reaktion des Erzählers erkennen, der gleichsam angezogen und abgestoßen von Harry ist (vgl. S. xx). Als Einsiedler meidet Haller jegliche soziale Kontakte bewusst. Er wohnt zur Untermiete, hat ähnlich wie Anselmus eine geisteswissenschaftliche Schreibbegabung, ist aber eher im Bereich seriöser Sachtexte als freier Autor tätig. Eine Anstellung, wie Anselmus sie sucht, meidet der Steppenwolf – offenkundig mangelt es ihm nicht an Geld. 

Wenig vergleichbar ist ihr Ausgangspunkt im Werk, insofern als Harry zu Beginn bereits 50 Jahre alt ist, wohingegen Anselmus seine Lebensrichtung als Student noch sucht. 

Was beide Protagonisten dennoch verbindet, ist eine tiefe Spaltung ihres Innern, die als eine Art zentraler Handlungsmotor der Werke fungiert und eine Entwicklung gewissermaßen notwendig macht. Harry Haller bezeichnet sich selbst als Steppenwolf. Diese Metapher meint eine Trennung in eine wölfische, vom Trieb gesteuerte Einsiedlerseite und eine Menschenseite, die vom Verstand her reflektiert. Im Traktat wird Harry jedoch belehrt, dass diese Zweiteilung zu kurz greift und fast selbstgefällig sei, denn seine Aufgabe wird sein, eine größere Vielzahl innerer Figuren zu einer Persönlichkeitseinheit zu formen. 

Dahingegen erlebt Anselmus eher eine Trennung in zwei weltliche Sphären, die eine unterschiedliche Wahrnehmung von Welt mit sich ziehen. So gibt es die scheinbar reale Welt, die alle Figuren wahrnehmen, in der Anselmus mit bürgerlichen Erwartungen wie Karriere und Geld konfrontiert wird, die Harry bspw. niemals als gültig annehmen würde. Weiterhin nimmt Anselmus eine phantastische Welt wahr. Diese Visionen müssen aber durch „Glauben und Liebe“ (S. xx) bewahrheitet werden. 

Während es bei Haller darum geht, die einzelnen Figuren des Inneren zu einer positiven Einheit zu formen, ist es für Anselmus vielmehr so, dass die reale Welt in einer Art „Himmelsleiter“ überwunden werden soll, ohne dabei dem Wahnsinn zu verfallen. So beschreibt E.T.A. Hoffmann sein Märchenprinzip im Erzählband die „Serapionsbrüder“ wenige Jahre später. 1819 meint er, man solle sich von der Realität aus in die Sphäre des Wunderbaren begeben, indem man an sie glaube. In seinem komödiantischen Verwirrspiel „Prinzessin Brambilla“ leidet der Protagonist gar an „chronischem Dualismus“, einer Krankheit, die man auch Anselmus zu Beginn der Erzählung attestieren könnte, da er ständig zwischen Vision und Realität hin- und hergerissen ist – ähnlich wie Harry, der zwischen der Lektüre seiner Unsterblichen – bspw. Goethe – einsam durch die Stadt flaniert. [...] 

Grundlagen der Interpretation von Texten 

Was ist Interpretation?


Schreiben einer Interpretation (Hauptteil)


Schreibens des Fazits 


Übungsaufgabe: Textstellen-interptretation (Faust) 

Nutze die unten stehende Aufgabe als Übung für das Abitur. Anschließend kannst du den Erwartungshorizont zur Kenntnis nehmen (direkt darunter). Dein Wissen kannst du mit dem Vortrag von Prof. Dr. A. Meier, Christian-Albrecht-Universität Kiel, auffrischen. Viel Erfolg! 

Aufgabe: Textstelleninterpretation 

Aufgabenstellung: Interpretieren Sie die Textstelle im Kontext der vorangegangenen Handlung.
Textstelle aus Goethes Faust: V. 4460-4519 (Kerkerszene)

Textstelleninterpretation: Faust (Kerkerszene)

Erwartungshorizont von Sebastian Arnold 

Einleitung 

 „Oh weh! Deine Lippen sind kalt.“ (V. 4493) Diese der vorliegenden Textstelle entnommene Klage Margaretes bildet einen der tragischen Höhepunkte in Goethes Drama „Faust“, da sich die anfangs noch naiv zutrauliche Frauenfigur auf einmal im Kerker ernüchternd selbst vergewissern muss, dass Faust sie nicht mehr liebt. Das Drama, das Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1808 uraufführte, handelt von Doktor Heinrich Faust, einem Universalgelehrten, dem im ersten Teil der Tragödie weder die höchste wissenschaftliche Erkenntnis noch die zwischenmenschliche Liebe gelingen mag. 

Kontextuierung 

Gegenüber seinem Schüler Wagner gesteht der mit sich hadernde Protagonist während eines Spaziergangs, er könne weltlichen Genuss und geistiges Streben nicht vereinen. Seine wissenschaftlichen Fehlversuche lassen Verzweiflung gewahr werden, die in einen Pakt mit dem Teufel mündet. Mephisto stellt sich auf Erden in die Dienste Fausts, verspricht ihm sinnliche Freuden, als Gegenleistung solle der Doktor seine Seele dem Teufel überantworten. Im Kern zweifelt Faust dennoch an, Mephisto könne ihn mit weltlichem Genuss betören. Doch als Faust unter Einfluss eines Aphrodisiakums Gretchen trifft, wandelt sich seine Ansicht und er ist vom Gedanken an das junge 14-jährige Mädchen geradezu besessen. Die beiden verlieben sich, wobei der anfangs so vergeistigte Faust insbesondere von körperlichem Verlangen gekennzeichnet wirkt. Faust überreicht seiner jungen Liebe einen vom Teufel stammenden Schlaftrunk für die strenge, gläubige Mutter, um mit ihr ungestört den Beischlaf vollziehen zu können. Diese Flüssigkeit stellt sich jedoch als Todestrank des böswilligen Fädenziehers Mephisto heraus. Neben der Mutter fällt auch der Bruder Gretchens der unheilvollen Liebschaft im Duell zum Opfer. Das mit Faust gezeugte Kind ertränkt sie im Wahn. Gretchen wird für ihre Beteiligung an den Taten angeklagt und in den Kerker gesperrt, während Mephisto versucht, Faust in der Walpurgisnacht auf andere Gedanken zu bringen. Als Faust aber seine Mitschuld realisiert, beschließt er Gretchen zu retten. An dieser Stelle setzt die vorliegende Textstelle ein. 

Darin versucht Faust Gretchen zu retten, doch Margarete weigert sich, mit ihm zu kommen, da sie seine Liebe anzweifelt und für die aufgeladene Schuld büßen möchte. 

Textstelleninterpretation 

Bei der vorliegenden Textstelle handelt es sich insofern um eine zentrale, als sich Faust und Gretchen hier das letzte Mal sehen. Der Auszug ist in drei inhaltliche Sinnabschnitte zu gliedern: Im ersten Abschnitt findet sich ein noch freudiges Wiedersehen der Liebenden (vgl. V. 4460-4480). Der zweite Abschnitt ist dadurch gekennzeichnet, dass Margarete Faust fehlende Liebe unterstellt (vgl. V. 4481-4502). Dies gipfelt im dritten Abschnitt in ihrem Schuldbekenntnis, was sie von einer Flucht absehen lässt (vgl. 4503-4518). 

Die Redeanteile sind in dieser Szene asymmetrisch verteilt. Der sonst so wortreiche Faust wirkt eilig und kurz angebunden, die sonst von dessen Worten überwältigte Margarete erscheint dementgegen geradezu aufgewühlt und im Prozess einer offenen Selbstklärung. Es fällt auf, dass sie meist mehrere Fragen an ihr Gegenüber richtet, wobei der Universalgelehrte wiederum kurze Ausrufe (= Exclamatio) tätigt – anstatt ihre Fragen zu beantworten. Teilweise wirkt es auch fast, als rede Margarete mit sich selbst, da sie ihn wie eine Halluzination behandelt. Sie verwendet hierbei bildhafte Ausdrücke (vgl. V. 4516: „Stecke den Degen weg;“).

Es handelt sich um ein Entscheidungsgespräch, das die Wege beider Figuren endgültig trennt. Die Interessen der beiden im Dialog gehen offenkundig ebenfalls auseinander: Während Faust Gretchen eilig retten möchte, enthüllt sie ihm ihre Gefühle. Sie möchte ihn zunächst zum Verweilen (vgl. V. 4480) bewegen, was man an dem Ausruf: „O weile!“ erkennt, der Fausts ebenfalls direkten Ausruf „Eile!“ konterkariert und die unterschiedlichen Interessen offenlegt. 

Mit dem Unterschied zwischen Eile und Weile wird außerdem auf den Pakt mit dem Teufel anspielt. Mit den Worten „Verweile doch! Du bist so schön“ (V. 1700) verlöre Faust seine Seele an den Teufel Mephisto. Im Zusammenhang mit dieser Textstelle bedeutet das, dass Fausts fehlender Wille zum Verweilen auch seine Unfreiheit zeigt, über den Moment mit Gretchen ganz bestimmen zu können, da der Moment selbst ja durch den Pakt mit dem Teufel überhaupt erst initiiert und entstanden ist. 

Zu Beginn der Textstelle wird Gretchen nun aber als Margarete bezeichnet. Durch das Fehlen des Diminutivs (-chen / = Verniedlichung) wird ein körperlicher und geistiger Reifeprozess begreiflich gemacht. Dies lässt sich so verstehen, dass das eingangs naive, unschuldige Mädchen seine Unschuld im doppelten Sinne verloren hat – im sexuellen wie im moralischen Sinne, insofern sie sich ja auch an den Toten schuldig macht. 

Durch Fausts Erscheinen kommt Margarete eingangs wieder zu Sinnen. Dies ist an den rhetorischen Fragen erkennbar, wie verlautbaren, dass sie nach Orientierung sucht, als wäre sie sich dieser vorher nicht bewusst gewesen. So fragt sie bspw.: „Wohin ist die Qual? Wohin die Angst des Kerkers?“ (V. 4471f.) Dies lässt außerdem erkennen, dass sie allein seine Begegnung im ersten Moment als Rettung empfindet, sich nach wie vor nach ihm sehnt und ihn liebt. Faust möchte sie wiederum tatsächlich aus dem Kerker befreien (vgl. V. 4478), doch als sie ihn küsst, bemerkt sie die erloschene Liebe anhand der eingangs zitierten Schlüsselverse: „Oh weh! deine Lippen sind kalt, / Sind stumm. Wo ist dein Leben / Geblieben?“ (V. 4493-4496). Dass sie Faust als „kalt“, „stumm“ und leblos (vgl. ebd.) kennzeichnet, ist aber nicht nur eine Anspielung auf die erkalteten Gefühle, sondern auch auf das soeben gestorbene Kind, welches wiederum die Beziehung der beiden verkörpert. Somit macht Goethe in eindrücklicher Form einen Wandel in der Beziehung deutlich, den er ja auch namentlich in der phonetischen Verschiebung von Gretchen zu Margarete für den Leser vorbereitet hat.

Und obwohl Faust sie noch als „Liebchen“ (V. 4498) und „Gretchen“ (V. 4460) verniedlicht, möchte sie nicht mehr mit ihm mit, da sie die Ehrlichkeit seiner Gefühle anzweifelt. Man könnte in gewisser Weise schlussfolgern, dass Faust Gretchen retten will, aber Margarete trifft. So fragt die neu Gereifte Faust: „Wo ist dein Lieben / Geliebter?“ (V. 4495f.) Offensichtlich hat Margarete eine Art intuitiven Verstand, denn sie hatte ja bereits zuvor geahnt, dass mit Fausts Freund, dem Teufel, etwas nicht stimme. Auch in dieser Szene kennzeichnet sie diese einfühlsame Art. 

Es wird ebenfalls anhand dieser Textstelle bewusst, dass Faust sein Gretchen nicht nur aus Liebe , sondern auch retten möchte, um sein schlechtes Gewissen rein zu waschen. Hierfür spricht die Dringlichkeit seiner Worte einerseits und dass ihm Margarete fehlende Liebe unterstellt andererseits. Faust fleht sie förmlich an, mitzubekommen. Bis an den Rand einer Drohung bringt er es, wenn er meint: „Wenn du nicht eilest, / Werden wir’s büßen müssen.“ (V. 4481f.) Interessant ist, dass er rhetorisch von „wir“ spricht und sie demnach als gemeinsames Paar ausweist. Dennoch lässt das Wort „büßen“ eben das erkennen, was Gretchen als religiöser Mensch eben bereit ist zu leisten. Sie will Buße tun für die Schuld, weshalb sie im Folgenden dezidiert das verlorene Kind anspricht: „War es nicht dir und mir geschenkt?“ (V. 4509). Neben dem impliziten Vorwurf in einer rhetorischen Frage ist auffällig, dass sie nicht mehr von „wir“ spricht, als besiegle der Tod des Kindes nicht nur die Buße, sondern auch die Teilung vom „wir“ in ein „dir“ und „mir“. Sie hat sich also von Faust entfremdet, obwohl sie noch – wie eingangs belegt – Gefühle für ihn hegt.

Gegen Ende spitzt sich das Geschehen ins Irreale zu: So meint sie im Wahn zu erkennen, dass Faust einen mit Blut beschmierten Degen trage (vgl. V. 4513-1515). Gretchen sieht also nicht mehr das Faktische und Reale, sondern die dahinterstehende Wahrheit. Sie hat nunmehr einen Blick auf die Welt, der halb religiös-prophetisch, halb Wahn, nur nach moralischer Schuld sucht. Daher ist die logische Konsequenz für sie, sich nicht auf die Rettung einzulassen, sondern sich hinrichten zu lassen. 

Fazit 

Die Szene stellt also – wie bereits eingangs an der Namensänderung gemutmaßt – in gewisser Weise den Reifeprozess des Mädchens zur tragisch niedergehenden Frau dar, die ihre anfängliche Abhängigkeit und ihr blindes Vertrauen zu Faust ablegt und sich der Schuldverhältnisse bewusst wird. Daher handelt es sich um eine Schlüsselszene des Dramas, die auch das Ende initiiert. Faust gelingt es nicht, sich der eigenen Schuld durch Rettung ein Stück weit zu befreien. Im weiteren Verlauf der Handlung übergibt sich Margerete dem weltlichen Gericht, doch ihre Seele wird von Gott gerettet. Dass der Herr den irrenden Menschen, der das Gute sucht, zu sich nimmt, ist bereits im Prolog ersichtlich (vgl. V. 327-329). Faust hingegen flieht mit Mephisto und irrt sozusagen ins Unbestimmte weiter. 

Werkvergleich 

[...]

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15 NP im Abi? 

... aus Satz mach Seite! 

In diesem Video veranschauliche ich euch, was es konkret braucht, um im Deutsch-Abitur den sehr guten Bereich zu erreichen. 

Material zu Treichels "Der Verlorene"

Wir stellen euch ein kostenfreies Arbeitsheft zu Treichel bereit. Einfach downloaden und weitersagen, dass es uns gibt! 

Treichel: Der Verlorene (Interpretation)

Ab September 2019 lesen Schülerinnen und Schüler Treichels "Der Verlorene" im Leistungsfach Deutsch in Baden-Württemberg. Wir sind die ersten, die euch ein kostenloses Materialpaket anbieten. Jetzt einfach den Newsletter abonnieren. 

Mann: Mario und der Zauberer (Interpretation)

Im Basisfach wagen sich die Lernenden an eine tolle Novelle heran: Manns "Mario und der Zauberer". Die feinsinnige Studie über Macht und Gehorsam wird in diesem Video interpretiert. Es wird der Frage nachgegangen, ob der Scharlatan Cipolla ein Abbild Mussolinis ist. 

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Eiskalte Übung: 

Eine Kurzgeschichte lesen und interpretieren 

Lies die Kurzgeschichte "Eis" (Button unten). Sieh dir nun das Erklärvideo (rechts) an und folge den darin beschriebenen Tipps. 
Anschließend kannst du zum Abgleich den ausformulierten Erwartungshorizont sichten, der unterhalb zu finden ist. Solche Musterlösungen veranschaulichen dir den Aufbau der Deutung.  

Erwartungshorizont: Kurzprosa-Interpretation

Basissatz und Inhaltsangabe

In Helga Novaks 1968 veröffentlichten Kurzgeschichte „Eis“ werden am Verhalten eines jungen Mannes die Folgen zwischenmenschlicher Isolation in einer von Desinteresse geprägten Gesellschaft deutlich.  

 

Zu Beginn der Kurzgeschichte trifft ein junger Mann in einer Parkanlage auf einen wohlsituierten Zeitungsleser, vor dem er sein Eis fallen lässt. Anhand des scheinbar zufälligen Vorfalls entbrennt eine Kette von aufdringlichen Fragen. Im Kern befürchtet der Fragende, er werde für einen Versager gehalten. Den Aufmerksamkeitsdrang des Jüngeren weist der Ältere zunächst höflich zurück, da er seine Ruhe möchte. Im Laufe der Konversation verliert der Herr ob teilweise provokativer Fragen und Aussprüche nicht nur die Hoffnung auf die ersehnte Ruhe, sondern auch die Fassung. Er moniert vor dem Gehen die mangelnde Erziehung des Jüngeren, der ihm daraufhin sogar Recht gibt und mit Einblicken in sein problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis aufwartet. Schlussendlich wird angedeutet, dass der Sohn der Mutter eine Substanz in den Tee gemacht hat. 

Analyse 

Typisch für Kurzgeschichten beginnt die Geschichte „medias in res“ und endet abrupt. Sie wirkt dadurch unvermittelt und unmittelbarer. Gattungsentsprechend sind auch der alltägliche Schauplatz und die namenlosen Figuren, die für jedermann stehen können. 

Helga Novaks Kurzgeschichte wird von einer neutralen Erzählperspektive bestimmt, in der die heterodiegetische Erzählerfigur vollständig in den Hintergrund tritt und die überwiegend dialogisch geführte Rede unkommentiert und ohne jede Wertung darstellt. Dies bedingt den ausgesprochen sachlichen Charakter. Es wird durchweg nur die Außensicht der Figuren gezeigt, in deren Inneres man keinen Einblick bekommt. Kombiniert mit den monotonen, parataktischen Sätzen evoziert die Kurzgeschichte Härte, Emotionslosigkeit und fehlende Empathie. Weiterhin spiegelt sich die lakonische Sprache im Thema der Geschichte wieder. Ein Mann leidet an seiner Isolation und agiert provokant gegen die ihm entgegengebrachte Gleichgültigkeit. Dazu passt der selbstreferenzielle Titel „Eis“, der Gefühlskälte geradezu programmatisch hervorhebt. 

Interpretation und Fazit 

Der junge Protagonist drängt in Novaks Kurzgeschichte ständig auf eine Reaktion seines Gegenübers, daher wird die Frage „Was denken Sie jetzt?“ (Z. 32)  in der Kurzgeschichte mehrfach wiederholt. Sie bildet weiterhin das Ende der Geschichte, was nochmals auf die Bedeutung hinweist. An seiner Isolation leidend, wünscht sich sich der Mann zwischenmenschlichen Kontakt. Sein Verhalten wirkt dabei getrieben und nimmt fast pathologische Züge an. Dies lässt sich zuvorderst an der Körpersprache erkennen: „Heftig“ (Z. 2) lutscht er an seinem Eis, im Folgenden tritt er nervös von Fuß zu Fuß (vgl. Z. 16), eine Reaktion des Herrn abwartend. 

Der Text lässt den Rückschluss zu, dass der junge Mann bereits erwachsen ist, denn er wird vom Herrn gesiezt. (vgl. Z. 14) Ob er von Zuhause ausgezogen ist, da er von seinem gemeinsamen Wohnen mit der Mutter durchweg im Präteritum spricht (vgl. Z. 23f.), bleibt offen. Es liegt nahe, dass diese verstorben ist, da er ebenfalls in der Vergangenheitsform betont, seine „Mutter war ja viel zu weich.“ (ebd.)  Zurecht kommt der junge Erwachsene mit seiner Freiheit nicht: Er hebt zwar inständig hervor, „er mache, was er wolle“ (Z. 16f.), doch zeigt sein teils nervöses, teils aggressives Verhalten, dass ihn sein Leben keineswegs befriedigt. Wie dringlich er auf eine Aussprache mit dem ihm unbekannten Herrn angewiesen ist, lässt sich daran erkennen, dass er befriedet lächelt, als er dessen Gedanken erfährt, selbst wenn der Herr ihm nur erläutert, man hätte ihn öfters verprügeln sollen. (vgl. Z. 21) 

 

Der unbedingte Wunsch, von dem Herren wahrgenommen zu werden, scheint aus der Angst geboren zu sein, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Bezeichnet ist, dass die Vorwürfe, die der junge Mann vom Herrn zu Unrecht erwartet, den gängigen gesellschaftlichen Stereotypen des Versagers entsprechen: vom „Trottel“ (Z. 8) über den „Duckmäuser“ (Z. 19) hin zum „Habenichts“ ( Z. 12) sind Typen benannt, die in einer leistungsorientierten Welt als Verlierer klassifiziert werden. Offenkundig wird daran eine Verfehlung der mütterlichen Erziehung, die ihrem Sohn lediglich Plattitüden auf den Weg mitgegeben, ihm keine positive Entfaltungsmöglichkeit aufgezeigt und ihm nur Versagensängste eingebläut hat:  „[W]enn Du nicht lernst, dich durchzusetzen, weiß ich nicht, was aus dir werden soll.“ (Z. 29), habe sie ihrem Sohn mitgeteilt. Die Mutter habe ihm außerdem den Rat erteilt, er solle sich in seiner „Haut wehren“ und nicht alles „gefallen lassen“ (Z. 26) Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass dies aus der Sicht des Sohns wiedergegebene Rede ist, die zudem vom neutralen Erzähler weder gewertet noch kommentiert wird. Ob die Erinnerung an die Mutter wahrheitsgemäß ist, bleibt dergestalt offen. Die Ohnmacht des jungen Mannes gegenüber der zu „weich[en]“ (Z. 24) Mutter schlägt jedenfalls in Provokation um, die den unbefriedigten Liebeswunsch des damaligen Kindes verrät. Der Berufswunsch „Neger“ (Z. 30) zeigt kein ernsthaftes Ansinnen, sondern dass der Protagonist sich einerseits versucht gegen seine Mutter aufzulehnen und andererseits, dass er sich eine unmittelbare und emotionale Reaktion von ihr wünscht. Ob er aus dieser wohl dauerhaften Kränkung heraus die eigene Mutter umbringt, bleibt unklar. Das Ende der Kurzgeschichte legt diese Deutung im ersten Moment nahe, weil die Hauptfigur vorgibt, „ihr was in den Tee getan“ (Z. 31f.) zu haben und da er von seiner Erzeugerin im Präteritum spricht. Gleichzeitig muss aber berücksichtigt werden, dass die Hauptfigur in eben diesem Moment in der erzählten Welt gerade den Herrn in ein Gespräch verwickeln will und erst, als dieser sich losmacht, hinterherruft, er habe ihr „was in den Tee getan (Z. 31f.). Somit bleibt offen, inwiefern der Ausruf nur der letzte, verzweifelte Versuch ist, Kontakt aufzubauen oder der junge Mann sich eben aussprechen muss, weil er die Mutter auf dem Gewissen hat. Eben diese offen Fragen sind intendiert und an den Leser gerichtet, da die Kurzgeschichte mit der Frage „Was denken Sie jetzt?“ beschließt. Es ist nicht der Herr, sondern der Leser, der in seiner Vagheit gegenüber einer verbindlichen Antwort angesprochen wird, den Text erneut zu lesen oder sich zu fragen, ob er selbst wie die Mutter agiert, wenn er sein Desinteresse über den Jungen voreilig darin Ausdruck verleiht, diesen als Mörder oder Psychopathen hinzustellen. Eben diese Etiketten sind deswegen nicht nur Teil der mütterlichen Erziehung, sondern vielmehr aus einem gesellschaftlichen Erwartungskatalog adaptiert.

Eine genauere Lesart zeigt außerdem, dass der Herr eine ebenfalls problematische Gestalt in der Geschichte ist. Er steht mit seiner Zeitung für den wohl situierten, angepassten Bürger, der Freizeit im öffentlichen Alltagsgeschehen wahrnimmt. Nicht zwingend muss er als Opfer der Situation gesehen werden, verweist sein in den Mantel der Höflichkeit gekleidetes Desinteresse auf eine Gesellschaft, die keinerlei Anteilnahme kennt. Sobald die Situation emotionale Dringlichkeit erfährt, behilft sich der Mann mit Floskeln oder verweist schlussendlich zornig auf die mangelnde Erziehung des Jungen anstatt mit diesem zu sprechen. (vgl. Z. 20) Er sieht sich nicht zuständig für die Probleme des jungen Mannes, was in gewisser Weise verständlich, aber nicht unproblematisch ist. Darauf verweist besonders der Titel der Erzählung, der nicht nur auf das Eis als Handlungselement hindeutet, sondern auf eben die fehlende Empathie des Herrn. 

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass alle Figuren durch Fehlverhalten gekennzeichnet werden. Darin wird eine besondere Tragik deutlich: Der junge Mann versucht durch Provokationen und aufdringliche Fragerei seinem Gesprächsbedarf Abhilfe zu schaffen, während die Mutter den im Kern ehrenwerten Anspruch hatte, dass ihr Sohn nicht versagen soll. Der Herr ist auf Einhaltung gesellschaftlicher Ordnung bemüht und dergestalt nicht nur kalt, sondern schlichtweg überfordert mit der Situation. Seine Flucht löst das Problem nicht, sondern verlagert es. 

Wie in ihrer Kurzgeschichte „Schlittenfahren“ hat Novak es mit einfachsten sprachlichen Mitteln und einer auf das Minimum reduzierten Erzählwelt geschafft, ein komplexes zwischenmenschliches Dilemma aufzuzeigen, welches der realen Welt inhärent ist: Wie soll es in einer leistungsorientierten und pluralistischen Gesellschaft heute möglich sein, zwischen verschiedenen persönlichen Schicksalen zu vermitteln? Ist Nächstenliebe nur eine religiöse Illusion? Denn in der Geschichte bleibt die Frage offen, ob sich der Einzelne überhaupt für das Schicksal eines Fremden zuständig sehen will und kann, inwiefern er sich emotional involviert und letztlich ob er preisgibt, was er wirklich denkt.  

Kurzprosa-Interpretation: Erklärvideos zur Unterstützung 

Der Hauptteil deiner schriftlichen Interpretation

In diesem Video gebe ich dir ein paar hilfreiche Tipps für die schriftliche Interpretation. 

Merkmale einer Kurzgeschichte (Erklärvideo) 

In diesem Lernvideo werden Merkmale der Kurzgeschichte zusammengefasst. Diese sind wichtig für das Verstehen. 

Deine Methode, wenn du Texte liest. 

Mit der Fünf-Gang-Lesemethode stelle ich dir eine gute Möglichkeit vor, wie du beim Lesen und der Vorarbeit mit System vorgehen kannst. 

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Reiselyrik

Das Abiturthema "Reiselyrik" erfordert nicht nur Kenntnisse um historische Entwicklungen von Mobilität, sondern  in allererster Linie, dass du einen Zugang zu Gedichten findest. Diese sind aufgrund ihrer eigenwilligen Form schwierig zu erschließen. In diesem Video erläutere ich dir, wie du dieser Form Herr wirst und welche Deutungszugänge sich besonders gut für dich eignen. Außerdem warne ich vor beliebten Fehlern, die es zu vermeiden gilt. 

Lies zuvor das Gedicht von Fontane, das hier über den Button angezeigt wird, damit du die Ausführungen gut nachvollziehen kannst: 

Weiterführende Links: 

Erwartungshorizont Werkvergleich

E.T.A. Hoffmann: Erzählprinzip im goldnen Topf 

Material zu Hesses "Der Steppenwolf"